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Bürger-Engagement

Vielleicht ist die Hemmschwelle für politisches Engagement zu groß - Früher war's besser

Die Straße "Am Wolfsberg" im Juni 2016

 

Im sozialen Netzwerk Facebook hat sich eine knappe Debatte entwickelt, die sich im Prinzip darum dreht, ob sich mehr Menschen in der Politik engagieren sollten. Ausgangspunkt ist ein Bericht in der FAZ, der auf ein Interview mit Christopher Lauer zurückgeht. Er ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Landeschef der Piratenpartei.

Lauer sagt: „Hört auf, die Politik zu verachten!“ Das Gespräch mit der FAZ dreht sich um „die Interessen des Volkes und die Frage, ob wir es uns leisten können, uns nicht für Politik zu interessieren.“

Bericht und Interview sind zu lesen unter
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/christopher-lauer-hoert-auf-politik-zu-verachten-14295346.html

 

Die Reaktionen aus der Provinz sind ein paar Notizen wert
Es gibt 1. wenige, die darauf überhaupt reagieren. Das ist schon mal ein Zeichen dafür, dass sich die Leute nicht angesprochen fühlen und es zeigt, wie einfach es ist, zu meckern und sich nicht zu engagieren.

Es gibt 2. nur einzelne, die für mehr Engagement in der Politik plädieren, frei nach dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft". Darunter zwei Gemeindevertreter. Chapeau!

Es treten aber 3. auch einige Bürger auf, die bloß auf die Politik schimpfen. Das passiert auf bekannte Weise: Was die „Schwachköpfe“ (wörtlich) da oben machen ist alles „scheiße“ (wörtlich). Unqualifizierter geht es kaum. In der gleichen Tippsequenz wird dann auch noch für die AfD geworben.

 

Nun, es mag nicht jedermanns Sache sein, sich politisch zu engagieren. Das hieße, Farbe bekennen, persönlich auftreten, ein Gesicht zeigen. Schimpfen oder Pöbeln in Facebook ist ja so leicht.

Aber wie wäre es, mal Verantwortung zu übernehmen?
Das kann auch im Verborgenen geschehen, aber allen nutzen.

Früher war es besser
Ein Beispiel aus der Vergangenheit: In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren war in Nauheim die Reservistenkameradschaft unterwegs. Viele mutmaßten, das seien Ex-Soldaten, die nichts anderes im Sinn hätten, als ihrem früheren Job nachzutrauern.

In Facebook wären sie heute vermutlich dem üblichen Shitstorm ausgesetzt gewesen.

Die Männer engagierten sich indes für die Umwelt, fuhren mit zig Mann in den Wald, räumten den Müll von Spaziergängern weg und sorgten – das ist nur ein Beispiel – zusammen mit dem Forst dafür, dass der Lärmschutzwall an der Autobahn heute schön bewachsen ist. Das passierte alles freiwillig. Der Lohn war ein Dankeschön. Mehr wollten die Leute aber auch nicht.

Wo und wie könnten sich Bürger heute ähnlich engagieren?
Der neue politische Stammtisch ist so ein Beispiel. Aber das ist schon wieder ziemlich persönlich.
Und vor einem Besuch müsste mancher Facebook-Freak eine hohe Schwelle überschreiten.

 

Dem Bauhof helfen
Wie wäre es mit der Unterstützung des gemeindlichen Bauhofs? Gerade jetzt, in der Wachstumsperiode, haben die Männer und Frauen des kommunalen Regiebetriebs allerhand zu tun. Da bleibt manches liegen und kann munter vor sich hin wuchern.

Die Straße "Am Wolfsberg" im Juni 2016

 

Die Fotos von der Straße „Am Wolfsberg“ beweisen das. Um die Ecke, in der Berzallee, gibt es einige Anwohner, die pflegen die Bauminseln und Parkplätze vor ihren Anwesen seit vielen Jahren freiwillig. Sie machen es vor und kaum einer folgt ihnen. Zum zweiten Mal: Chapeau!

Kaum einer engagiert sich. Das verwundert eigentlich nicht.
Es ist ja heute viel einfacher, sich in Facebook über „die da oben“ zu mokieren.

Von Rainer Beutel, exklusiv kommentiert für Nauheim-Online