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Bürgermeisterwahl

Wer zu früh aufgibt, den bestraft vielleicht die Basis - SPD bräuchte einen jungen Rudolf Zaich

Der Alt-Bürgermeister (r.): Einen jungen Rudolf Zaich bräuchte die SPD jetzt

 

Die einen sagen „Armutszeugnis“, andere sprechen von „Wahnsinn“, wieder andere zollen der SPD ihren Respekt. Die Ansichten über den Entschluss der SPD, keinen Bürgermeisterkandidaten gegen Amtsinhaber Jan Fischer (CDU) aufzustellen, gehen naturgemäß auseinander.

Mit einem Tag des Nachdenkens lässt sich dazu noch manches beleuchten.

Niemand sollte behaupten, die führenden Genossen hätten sich nicht um Kandidaten bemüht. Die Gespräche hinter den Kulissen liefen seit geraumer Zeit. Zuletzt soll sich alles auf eine Person konzentriert haben.

Zu früh?
Für diese Person komme die Wahl im Januar zu früh. Die SPD will niemand verheizen, hört man aus der Geschäftsstelle der Genossen. Okay, das ist nobel und verständlich.

Aber ein Wahltermin im Januar, wie ihn der Amtsinhaber wünscht, steht noch nicht fest. Beschließen müsste das die Gemeindevertretung. Dort stellt die SPD die stärkste Fraktion.

Die Grünen sagen – und deren Faktionschef Marco Müller gilt als zuverlässig, wenn er etwas erklärt – von der SPD sei niemand auf die Grünen zugekommen.

Karl Norbert Merz von der SPD wiederum sagt, die Sozialdemokraten hätten „1 und 1 zusammen gezählt“. Soll heißen: Selbst mit den Grünen sei es nicht möglich, den Wahltermin auf später zu verlegen, mal vorausgesetzt, die Grünen wollten das.

Dann noch die anderen Argumente: Grundsteuer, Investitionsstau, der Bonus des Amtsinhaber, die familiären Hürden potenzieller Kandidaten ... . Alles für sich genommen verständlich, wenn auch genau das die Ansatzpunkte für einen pfiffigen Wahlkämpfer gewesen wären.

Aber all das ist kein Grund, eine Kandidatur völlig abzublasen.

Kleine Rückblende an dieser Stelle. 1975 sägte die SPD ihren eigenen Bürgermeister (Hermann Reitz) ab. Chaos, Machtkämpfe, Intrigen, das war normal für den Beginn der Nauheimer Verhältnisse. Die SPD lag völlig am Boden.

Und dann kam Rudolf Zaich. 1975 wurde der Nicht-Nauheimer Bürgermeister. Er kam aus dem Norden, war unbefleckt, jung, dynamisch und kompetent.

Mit ihm erlebte die SPD wieder eine gute Zeit. Bis 1993 (dann kam die Sache mit dem Klärbeitrag) hatte in Nauheim „die Mehrheit recht“ (das ist ein Insider für Alt-Genossen und ex-Kommunalpolitiker der CDU). Und die stellte damals die SPD.

Einer wie Zaich
So einen wie Rudolf Zaich bräuchte die SPD jetzt. Offenbar aber konzentrierte sich die Suche auf Frauen und Männer, „die mit Nauheimer Verbunden sind“. So jedenfalls wurde es erklärt.

Das könnte sogar Genossen enttäuschen und wirft die Frage auf, ob die, die auf der Suche waren, Verantwortung übernehmen müssten.

 

Von Rainer Beutel, exklusiv kommentiert für Nauheim-Online