Nauheim-Online: Aktuelle Nachrichten, Fotos, Umfragen und Besonderheiten aus Nauheim - Nauheim, Feldchen, Fischer, Bürgermeister, Flughafen, Funkfeuer, Südumfliegung, Feuerwehr

 

 

 

 

Sportpark

Nauheim am Scheideweg: Alles tun für die Vereine oder es wird öde wie in Königstädten

In das Netzwerk, das die Vereine geschaffen haben, muss investiert werden

 

Mehrere Vereine wissen nicht, wie sie ihre Sport- und Trainingsbetrieb im Sportpark aufrechterhalten sollen. Das Thema hat Sprengkraft. Es geht um soziale Errungenschaften. Die Folge könnten gravierend sein – wie in Königstädten.

Es ist ein guter Ansatz, alle an einen Tisch zu bringen, um den gordischen Knoten einer verkorksten Sportpark-Geschichte zu durchschlagen. Aber es muss jetzt mal Schluss sein mit der Anhäufung von Fehlern.

Der jüngste Fauxpas hat noch die geringsten Auswirkungen. Mit einer „Tischvorlage“ wollte der Gemeindevorstand jetzt eine Kooperationsvererinbarung durchsetzen. Das hätte dem Sportverein einen Zuschuss von 50000 Euro beschert, aber andere Vereine unter Druck gesetzt.

Denn die Lösung steht nicht in der Tischvorlage. Ein Beschluss wäre nur eine Scheinlösung gewesen. Der Sozialausschuss hat das verhindert (wenn auch nur mit einem Patt. Und nebenbei: Als Beobachter hatte man das Gefühl, dass die meisten gar nicht so recht wussten, um was es da ging).

Unklare Folgen
Die Tischvorlage ist nun erst einmal abgelehnt. Das ist gut. Zu unklar wären die Konsequenzen gewesen.

Reihenweise aber liegen die Fehler (nicht nur) in der Vergangenheit.

Es ist falsch, sich so lang Zeit mit einer Analyse zu lassen, ob und wie der Sportpark konzipiert werden kann. Davon hängt derzeit wohl alles ab. Warum dann eigentlich die eilige Tischvorlage?

Es ist falsch, die Kunstrasenplätze nicht zu sanieren. Das Verletzungsrisiko steigt mit jedem Tag. Darunter leidet das Training und der sportliche Erfolg.

Es war falsch, den Vorschlag, den Sportpark zu verlegen, einfach abzubügeln. Vielleicht würde eine große Lösung endlich allen helfen.

Es war falsch, das Sportparkeingangsgebäude verrotten zu lassen. Wie wäre es (den Verbleib des Sportparks vorausgesetzt), das Ding platt zu machen, das Grundstück einem Investor zu schenken (ja: zu schenken) und dafür im Erdgeschoss alle erfordelrichen Funktionsräume zu erhalten; oben könnten ja Wohnungen gebaut werden, mit denen ein Investor seinen Schnitt macht.

Was ist mit dem Sandhasen-Heim?
Es ist falsch, das Gelände der Sandhasen und das vorhandene Gebäude nicht in die Planungen einzubeziehen: Entkernen, sanieren, neue Technik rein und schon wäre Platz für weitere Umkleidekabinen und Duschen. Gerne auch für Proberäume, sagen sich die kulturtreibenden Vereine. Hier könnte ein neuer Bürgertreff entstehen.

Es ist falsch, dass die Vereine alle nur ihr Ding machen. Gibt es in der Jahnhalle keine Umkleideräume und Duschen? Kann der Turnverein nicht einbezogen werden?

Es war falsch, den Sportverein nicht von Anfang an unterstützt zu haben. Mit wenig mehr hätten am SV-Heim viel mehr Umkleideräume gebaut werden können.

Es ist falsch, für die Vereine nur Provisorien zu planen. Die Gemeinde kann froh sein, dass es die Klubs gibt. Sie machen Nauheim lebendig. Man schaue nur mal nach Königstädten: viel weniger Klubs und fast nichts los.

Mal etwas wagen
Unterm Strich wäre es richtig, die große Lösung zu wagen: Der Sportpark muss verlagert oder an der bisherigen Stelle völlig neu zugeschnitten werden. Mit einer ausreichenden Infrastruktur. Alles andere ist Stückwerk. Um das zu finanzieren, braucht es eine mutige Generallösung, an der alle beteiligt werden.

Und der Verzicht auf andere Pläne. Es bedarf der Entscheidung: Was ist uns wichtiger? Die Vereine und das soziale Netzwerk oder vielleicht ein erstklassiger Gehweg, nur weil es da mal acht Pfützen gibt. Eine teure, digitalisierte Gremienarbeit mit zig Tablets für die Gemeindevertreter? Noch eine Kletterburg, noch ein Turm mit Rutsche in diesem und jenem Kindegarten? Hallo? Wir haben früher auf der Straße gespielt. Und im Wald, auf dem Feld und in Pfützen.

Dann muss der Bürgermeister, auch nicht zaubern, wie er es nennt.
Oder aber, es ist in Nauheim auch bald nichts mehr los, wie ein bisschen weiter nördlich.

 

Von Rainer Beutel, exklusiv kommentiert für Nauheim-Online