Konfliktherd Hermann-Löns-Straße  |  Subjektiv

Entscheidung im Rathaus reicht nicht - Mit "Lärmbelästigung" ist nicht mehr zu punkten

Bürgeranliegen sollten nicht umkurvt werden.

 

Bürgermeister Jan Fischer hat als Chef der Straßenverkehrsbehörde recht: Er muss zwischen Interessen abwägen und kann nicht geschmeidig allen Forderungen von einzelnen Bürgern nachgeben. Und so viel ist auch klar: Vom Durchgangsverkehr in der Hermann-Löns-Straße sind vergleichsweise wenig Anwohner betroffen.

Problematisch erscheint allerdings das Miteinander. So, wie es jetzt wieder lief, nimmt die Öffentlichkeit wahr, dass Bürgeranliegen wenig Chance haben. Es ist hoffentlich nur der Eindruck von Betroffenen und Kritikern - Kritiker, die Schwächen im System ausnutzen, um gleich das gesamte Gremium, den Arbeitskreis Verkehrssicherheit, in Frage zu stellen. Vielmehr darf, ja muss davon ausgegangen werden, dass sich der Verwaltungschef und die zuständigen Stellen im Rathaus mit den Wünschen von Bürgern stets ausgiebig befassen.

Womöglich gab es sogar einen (oder mehrere?) Ortstermin(e) in der Hermann-Löns-Straße. Aber das dringt nicht nach außen. Ein weiteres Treffen mit den Anwohnern an Ort und Stelle erscheint hilfreich – nicht als interner Verwaltungstermin, sondern öffentlich.
Selbst wenn das unbequem sein könnte.

Arbeit für den Arbeitskreis

Auch der Arbeitskreis Verkehrssicherheit ist aufgerufen, sich der Sache ein weiteres Mal anzunehmen. Das Gremium war ja sogar schon unterwegs, um sich defekte Randsteine an Gehwegen anzuschauen. Da scheint es durchaus angebracht, die konfliktträchtige Hermann-Löns-Straße kollektiv in Augenschein zu nehmen. Zumal die Kreisverkehrswacht sagt, im dortigen Schilderwald seien Hinweise falsch aufgestellt. Aber bitte kein Termin abends um 20 Uhr, sondern samstags zur besten Einkaufszeit.

Die Sperrung für Fahrzeuge mit mehr als zehn Meter Länge wirkt (nach außen) nur wie ein Versuch, um allen irgendwie gerecht zu werden. Sind wir doch mal ehrlich: Kommt ein Lkw (aus welchen Gründen auch immer) von außerhalb dort an und der Fahrer wird über sein Navi durch die Hermann-Löns-Straße geleitet, wird er vermutlich nicht umkehren. Ist er erst mal dort, wird er auch versuchen, durchzufahren. Und sein Vehikel vielleicht festfahren.

Der Konflikt zeigt, dass Anwohner heutzutage mit dem Argument schlecht punkten können, ihr Schlafzimmer befinde sich zu nah an der Straße, obwohl diese bei der Hausplanung ursprüngliche keine Durchgangsstraße gewesen sei. Menschen, die vom Verkehrslärm ähnlich oder schlimmer betroffen sind, gibt es überall. Man denke nur an die alte Ortsdurchfahrt, die weiterhin stark frequentiert ist. Autolärm ist für Behörden und Rathäuser längst kein Grund mehr, einzuschreiten. Schließlich starten über Nauheim ja reihenweise laute Flugzeuge. Zumal: Bei einer Sperrung der Löns-Straße würde der Lärm nur verlagert und andere mehr belastet.

Was also tun?

Wie so oft in Nauheim könnte mehr Transparenz und mehr Bürgernähe helfen, die Gemüter zu beruhigen. Die Beteiligten sollten gemeinsam eine Lösung vor Ort anstreben. Bleibt der Bürgermeister als Straßenverkehrsbehörde bei seiner Entscheidung, müsste er diese den Betroffenen verständlich(er) machen. Gleiches gilt übrigens für den Streit um eine Bedarfsampel am Friedhof.

Unglücklich erscheint es allerdings, gleich die ganze Arbeitsgemeinschaft Verkehrssicherheit herunterzuputzen, weil dort keine Beschlüsse gefasst und nur Empfehlungen ausgesprochen werden dürfen. So geschehen in Facebook.

Immerhin sorgt das Gremium auf seine Art für Transparenz und kann auf mehrere erfolgreiche Initiativen verweisen. Allein die stets wertvollen Kommentare der Kreisverkehrswacht während den Arbeitskreissitzungen beweisen immer wieder aufs Neue, was und wie etwas sinnvoll verbessert werden könnte. Aber das reicht nicht.

Von Rainer Beutel, kommentiert für Nauheim-Online